Bereich Themenwelt Pferd 20181209

Pferd & Jagd – Interview mit Tina Martusciello

Maremmapferde: Groß, unerschrocken und wendig

Auf der Pferd & Jagd wird eine ganz besondere Pferderasse zu Gast sein: Die Maremmapferde stammen ursprünglich aus der Toskana und sind vom Aussterben bedroht. Sowohl während der „Nacht der Pferde“ als auch bei den täglichen Vorführungen im Aktionszirkel in Halle 17 werden sie mit der Reitergruppe La Bardella zu sehen sein. Im Interview erklärt Initiatorin Tina Martusciello, warum sie für den Erhalt der italienischen Pferderasse kämpft.

Frau Martusciello, wie kamen Sie zum Maremmapferd?
Als ich vor 16 Jahren in der Toskana lebte, fragte mich mein damaliger Lebensgefährte, ob ich schon einmal von dieser Rasse gehört hatte. Als ich verneinte, beschlossen wir, einen Ausflug zu einem benachbarten Züchter zu machen. Antonio Fontani hat mich über die Rasse und ihre lange Historie aufgeklärt und ich war so begeistert, dass anschließend das erste Maremmapferd bei mir einzog. Er ist ein großer Kenner der Rasse und setzt sich für ihren Erhalt ein. Damals sagte er mir schon: In 15 Jahren wird es keine Maremmapferde mehr geben.

Glücklicherweise gibt es die Rasse noch, wie viele Pferde leben zurzeit bei Ihnen?
Aktuell gehören uns fünf Maremmapferde. Wir bauen eine kleine Zucht auf, um die Rasse zu erhalten. Allerdings soll nur in kleinem Maße gezüchtet werden. Wir wollen das Maremmapferd nicht so vermarkten, dass am Ende ein Hype entsteht wie beispielsweise bei den spanischen Pferden. Uns ist es wichtig, dass das Erbgut erhalten bleibt und keine anderen Rassen eingekreuzt werden. Das Maremmapferd soll so bleiben, wie es ist.

Was ist das Besondere an diesen Pferden?
Sie sind absolute Allrounder und damit wahnsinnig wertvolle Freizeitpferde. Sie sind klar im Kopf, kennen Wasser, Wölfe und haben schlichtweg keine Angst! Natürlich gucken sie auch mal, aber immer mit Verstand. Ein weiterer Vorteil ist, dass es Großpferde sind und damit eine gute Alternative zu kleineren Rassen wie dem Haflinger darstellen. Darüber hinaus sind sie sehr robust, mein ältestes Maremmapferd hat bis heute so gut wie keinen Tierarzt gebraucht. Mich begeistert auch ihre Rittigkeit, sie können sehr dynamisch und wendig sein, aber ebenso in aller Seelenruhe durchs Gelände trotten.

Was haben Sie für Ihre Auftritte bei der Pferd & Jagd geplant?
Während der Gala-Nacht werden wir mit der Reitergruppe La Bardella demonstrieren, wie die traditionelle Arbeit der berittenen Viehhirten, der Butteri, aussieht. Dafür bringen wir eine große Fohlengruppe mit, denn eine der Aufgaben der Butteri ist die Kontrolle der Herden in der Maremma. Reiter und Pferde werden in traditioneller Ausrüstung zu sehen sein, dazu gehört beispielsweise auch der Hirtenstab, der Uncino. Bei den täglichen Rassepräsentationen werden auch meine beiden Nachwuchspferde Armido und Uvetta mit dabei sein. Eine der Teilnehmerinnen ist die 16-jährige Gina Farinato, in Hannover wird sie erstmals vor so großem Publikum zu sehen sein.
Außerdem sind wir mit einem Stand in Halle 17 vertreten, an dem sich die Besucher über das Maremmapferd informieren können. Auch dieses Mal werden wir zu einer Spendenaktion aufrufen – der Erlös geht an die Erdbebenopfer aus dem Maremmagebiet.

Frau Martusciello, vielen Dank für das Gespräch!